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Spitzenmedizinischer Schwerpunkt

Akute Dickdarmentzündung (Colitis)

Ätiologie

Akute Dickdarmentzündungen sind meist bakteriell bedingt, am häufi gsten durch E. Coli, Salmonellen, Campylobacter, Shigellen oder Yersinien, etwas seltener und vor allem bei Kindern auch durch Viren (Rota, Coxsackie etc.), auf Reisen erworben auch durch Amöben. Die tuberkulöse Colitis stellt heute eine Rarität dar. Eine Spezialform der akuten infektiösen Colitis ist die Antibiotikacolitis durch Überwuchern von Clostridium Diffi cile. Ischämien sind eine häufi ge Ursache akuter und subakuter Colitiden im Alter. Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn verursachen chronische, von akuten Schüben überlagerte Formen der Dickdarmentzündung. Noch wenig erforscht sind kollagene, lymphozytäre, eosinophile und mikroskopische Colitis. Ionisierende Strahlen können ebenfalls eine Colitis oder Proktitis auslösen.

Pathogenese

Die entzundene Dickdarmmukosa ist im akuten Stadium gerötet und geschwollen, teilweise von mehr oder weniger großen Ulcera durchsetzt. Chronische Formen bilden Pfl astersteinrelief aus, atrophe Areale wechseln mit pseudopolypös imponierenden Schleimhautresten ab. Infektiöse Formen entstehen durch Enterotoxine oder enteroinvasiv durch Besiedelung der Darmwand. Fehlaktivierungen der Eentzündungskaskade sind typisch für die immunologischen Formen, wobei die Colitis Ulcerosa vorwiegend per Continuitatem von distal nach proximal die inneren Wandschichten befällt, während die Crohncolitis segmentförmig die gesamte Darmwand betrifft. Chronische Colitiden, allen voran die Colits Ulcerosa, bilden nach Verläufen von 10 und mehr Jahren in etwa 4% ein colrectales Karzinom aus. Deshalb sind endoskopische Früherkennungsmaßnahmen

(Coloskopie alle 2 Jahre) sinnvoll.

Symptomatik

Typisch sind sekretorische Durchfälle, Schmerzen, bei entzündlicher Allgemeinreaktion auch Fieber. Colitis Ulcerosa, ischämische und manche infektiösen (enteroinvasiven) Colitiden haben blutige Durchfälle. Eitrige Durchfälle sind typisch für eine Shigelleninfektion. Die Crohncolitis verläuft meist in Schüben und bildet häufi g Fisteln oder extraintestinale Manifestationen aus. Schwere Formen der Colitis können zu einem toxischen Megacolon mit septischer Allgemeinerkrankung und hoher Perforationsgefahr führen.

Diagnose

Die Diagnose wird makroskopisch im Rahmen einer Dickdarmspiegelung gestellt und durch Biopsie bewiesen, sowie differenziert. Infektiöse Ursachen werden durch Stuhlkultur erfaßt, spezielle Kulturen erfassen Mykobakterien, Clostridium Diffi cile und Amöben. Kollagene und mikroskopische Colitis fallen bei unauffälliger Makroskopie erst im Biopsat auf. Typisch für ischämische Colitiden sind die Lokalisation in der Endstrombahn der Arterienäste (z.B. linke Flexur) und große, bizarre, wie ausgestanzte Ulcera. Bei Mb. Crohn und Colitis Ulcerosa kennen wir makroskopisch typische Bilder, aber auch, seltener, atypische Erscheinungsformen.

Differentialdiagnose

Die Differenzierung vom Colon Irritabile, der Laktoseintoleranz und anderer Durchfallursachen ist mit der Coloskopie kein Problem. Die wesentliche differentialdiagnostische Herausforderung ist die Unterscheidung der verschiedenen Formen einer Colitis.

Therapie

Die akute Colitis überläßt man für etwa eine Woche der körpereigenen Abwehr, wenn Schwere und Allgemeinsymptome das Erlauben: dadurch sollen weniger persisiterende Keimträger resultieren. Sonst behandelt man mit oralen Antibiotika (Chinolone, Ampicillin, Cotrimoxazol; bei Clostrisium Diffi cile Metronidazol, Vancomycin oder Teicoplanin, bei Amöben Metronidazol, bei TBC eine klassische Dreier- oder Viererkombination), gegebenenfalls Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution. Kollagen- und mikroskopische Colitis sprechen auf eine Wismutbehandlung gut an, ischämische

Colititden erfordern eine Optimierung der Perfusion, die immunologischen Formen eine Therapie mit Mesalazin und/oder Cortison. Distale leichtere Formen können lokal durch Klysmen oder Suppositorien günstig beeinfl ußt werden. Eine längere Therapiedauer mit einer Erhaltungstherapie dürfte die Rezidivneigung mindern. Der Morbus Crohn verlangt bei chronisch aktiven Verläufen den Einsatz von Immunsuppressiva bis hin zur Gabe moderner Antikörperpräparationen (z.B. Anti Tnf). Stenosen, Konglomerattumore und Fisteln machen meist eine Operation unumgänglich; allerdings sollte dabei möglichst sparsam reseziert werden, um die Lebensqualität nicht allzusehr zu beeinflussen und ein Kurzdarmsyndrom hintanzuhalten. Schwere Verläufe der Colitis Ulcerosa sprechen oft noch gut auf Cyclosporin A an, wenn sonst eine Colektomie notwendig wäre.

Darm

 

Diät

Es ist keine für jeden Patienten gültige und wirksame Diät bekannt. Individuelles Ausprobieren, was gut und was schlecht vertragen wird, ist ratsam.

Prognose

Akute infektiöse Erkrankungen sind meist selbst limitierend. Persistierende Formen sind bei adäquater antibiotischer Behandlung in unseren Breiten meist harmlos. Ischämische Formen sind oft Ausdruck einer schweren Allgemeinerkrankung und deshalb prognostisch ungünstig. Vor allem Mb. Crohn, manchmal auch Colitis Ulcerosa sind langwierig, hartnäckig, reduzieren die Lebensqualität erheblich und können durch ihre Komplikationen die Lebenserwartung deutlich verkürzen.

 

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Ansprechpartner

OA Dr. Ulrike Enkner, Chirurgie
OÄ Dr.in Ulrike Enkner
Stv. Standortleiterin