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Ordensklinikum Linz

"Wos, du lebst no imma?"

Dass mit ihm etwas nicht stimmt, hat er bei einer Wanderung im Herbst des Jahres 2003 gemerkt, als ihm aus heiterem Himmel "elendig schlecht" wurde und ihn die Kräfte verließen. Der Hausarzt diagnostizierte eine gewöhnliche Magen-Darm-Grippe. Trotz wochenlanger Diät mit Cola und Weißbrot wollte sich keine Besserung einstellen. Im Gegenteil. "Es ging mir immer schlechter. Plötzlich hieß es: ,Akute Gelbsucht, sofort ins Spital.’" Dort wurde dem damals 59-jährigen Mann eine Diagnose gestellt, die ihm heute noch die Tränen in die Augen treibt. "Herr Redlinghofer, Sie haben Bauchspeicheldrüsenkrebs!" Die Krebserkrankung mit einer sehr, sehr schlechten Heilungschance.

Geschwächt von der massiven Gelbsucht verbrachte er drei Wochen im Spital in Niederösterreich, als er von einer Bekannten von Primar Reinhold Függer im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz hörte, der bereits in seiner Zeit als Mediziner in Wien viele Pankreaskrebs-Operationen durchgeführt hatte. Zwei Tage vor Weihnachten wurde er dann in den Operationssaal der Elisabethinen geschoben. Der sehr komplizierte Eingriff gelang gut, aber die massive Gelbsucht machte Peter Redlinghofer nach wie vor zu schaffen. Zwei Wochen musste er auf der Intensivstation verbringen.

"In dieser Zeit habe ich angefangen zu beten. Denn trotz erfolgreicher Operation war ja nicht klar, wie lange ich noch leben werde", erzählt der Vater von zwei Kindern, der damals in kürzester Zeit mehr als 20 Kilogramm abgenommen hatte und künstlich ernährt wurde. Bergauf mit ihm sei es zu jenem Zeitpunkt gegangen, als er eines Nachts einen ganz intensiven Traum vom Überleben hatte. "Damals hörte ich Leute für mich beten und hab‘ sogar der Schwester geläutet, die mir aber sagte, dass es in meinem Zimmer mucksmäuschenstill ist."

Peter Redlinghofer hatte – wenn man das in diesem Fall so nennen darf – "Glück im Unglück". Sein Tumor in der Bauchspeicheldrüse war zwischen zwei und drei Zentimeter groß und hatte noch keine Absiedlungen (Metastasen) gestreut. "Auch die Lymphknoten waren frei von Krebs", sagt Primar Függer. Die Genesung war ein langer, steiniger Weg, der ihn noch oft nach Linz führte. Zweimal mit Bauchspeicheldrüsenentzündung und einmal mit Darmverschluss. Dass er ein Kämpfer ist, bewies der Pensionist dann auch während seines Kuraufenthaltes in Kärnten. "Dort hab’ ich wieder angefangen zu wandern. Die ersten 100 Höhenmeter waren für mich mindestens so anstrengend und kraftraubend wie für andere der Aufstieg auf den Großglockner. Ich hab’ es aber jeden Tag wieder probiert und hab’ mir so meine Kondition und meine Lebensfreude zurückgeholt." Dass er diese nach wie vor hat, ist wahrscheinlich auf die so genannte Resilienz zurückzuführen, also einer ausgeprägten Fähigkeit, auch mit schweren Schicksalsschlägen im Leben gut fertig zu werden.

Zwei Krebsarten in zwei Jahren

Denn in jener Zeit, als er so schwer erkrankte, starben auch seine Schwiegermutter und sein Schwiegervater, um die er sich gemeinsam mit seiner Ehefrau jahrelang gekümmert hatte. Gepflegt hat das Ehepaar auch die Mutter von Peter Redlinghofer, für den die Diagnose "Pankreaskarzinom" nicht die erste Krebsdiagnose war. "Ein Jahr zuvor war ich an Prostatakrebs erkrankt", erzählt der durchtrainierte, ehemalige Tischler, der in den Zeiten der Krankheit auch bei Selbsthilfegruppen Trost und Hilfe fand.

In den ersten Jahren nach der großen Operation in Linz musste der heute 71-Jährige noch in regelmäßigen Abständen zur Kontrolle nach Linz zu den "Lisln" kommen. "Zuerst schaut man alle drei Monate, später alle sechs Monate, ob alles okay ist. Heute gilt Herr Redlinghofer als geheilt und ist ein Beispiel dafür, dass es immer Hoffnung gibt – auch bei diesem Krebs, der sehr geringe Heilungschancen hat", sagt Primar Függer. Die beste Nachsorge und Therapie sind für Peter Redlinghofer nach wie vor das Bergwandern im Sommer und das Skitourengehen im Winter. "Als Dankeschön für meine Heilung hab‘ ich am Annaberg bei Mariazell ein Gipfelkreuz getischlert, das ich regelmäßig besuche. Wenn Sie hinkommen, müssen Sie sich unbedingt ins Gipfelbuch schreiben", sagt er zu seinem Primar und zeigt ihm sein Fotoalbum.

Eine Kämpfernatur

Dass er in den vergangenen Jahren auch noch an der Schulter und an beiden Knien operiert wurde, findet er eigentlich gar nicht erwähnenswert. "Des ist halt so im Leben. Nur manche Leut’ sagen, wann’s mi sehen: Wos, du lebst no immer?"

Text: Barbara Rohrhofer/OÖN

Peter Redlinghofer
Foto: privat