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Ordensklinikum Linz

Primaritas-Wechsel in der Kardiologie Elisabethinen

Datum: 01.01.2022

Mit 1.1.2022 verabschiedet sich der langjährige Primar der Kardiologie am Ordensklinikum Elisabethinen in den wohlverdienten Ruhestand. Inklusive seiner Zeit als Ferialarbeiter ist es für Prim. Dr. Josef Aichinger beinahe ein halbes Jahrhundert, welches er an unserem Krankenhaus arbeitet. Im Gespräch mit dem Miteinander erzählt er, was ihn rückblickend erfreut, was ihm Sorgen bereitet und was er hofft und seinen Kollegen wünscht.

Josef Aichinger Martin Martinek
Josef Aichinger übergibt die Leitung der Kardiologie Eilsabethinen mit Jahreswechsel an Martin Martinek.

Nach der Ausbildung zur invasiven und interventionellen Kardiologie an der Uni-Klinik in Mainz bildet sich Dr. Josef Aichinger weiter in der interventionellen Kardiologie  und der Elektrophysiologie (zur Abklärung von Herzrhythmusstörungen) fort. Seine Hospitationen führten ihn quer durch Europa, bis er schließlich im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz Fuß fasste. „Gemeinsam mit einer sehr engagierten Kollegenschaft bauten wir sukzessive die interventionelle Kardiologie und die Elektrophysiologie auf – im April 1989 erfolgte dann der erste Herzkatheter  im Krankenhaus der Elisabethinen“, sagt Prim. Dr. Aichinger, der hier vor allem die gemeinsame Leistung des Teams hervorheben möchte. „Bis auf den heutigen Tag wurde eine große Zahl neuer invasiver Methoden erstmals in Österreich eingeführt. Zum Beispiel eine Reihe von Ablationstechniken – diese behandeln per Verödung der Ursprungsorte von Herzrhythmusstörungen – sowie zuletzt die Pulsed-Field Elektroporation (siehe Seite 10), wo wir unter den ersten weltweit dabei waren.“ Darüber hinaus gab es auch oberösterreich- und österreichweit einige Premieren, die Prim. Aichinger und sein Team zu verzeichnen hatten.

„Rückblickend stimmt mich das Engagement und die Innovationsfreude sehr froh, beginnend in den Anfängen der invasiven Kardiologie und der Elektrophysiologie bis zum heutigen Tag. Es gab im ärztlichen Team so viel Kreativität sowie den Mut, Neues anzupacken und umzusetzen. Wir wurden immer unterstützt von der Pflege, die Gespür für die Bedürfnisse der Patienten aufbrachte und imstande war, eine Atmosphäre der Patientenbetreuung zu schaffen, die weithin spezifisch für das Krankenhaus der Elisabethinen wahrgenommen wurde“, resümiert Prim. Dr. Josef Aichinger.

Manche Dinge, die sich in der Krankenhausstruktur geändert haben, bereiten Josef Aichinger jedoch Sorgen und diese möchte er nicht unerwähnt lassen: „Mich beschäftigt unter anderem der Zuwachs an Bürokratie, der den Abteilungen Raum zur freien Gestaltung nimmt und die Kreativität und den Mut zu Entscheidungen einschränkt. Mehr Freiraum wäre ein schönes Signal an Abteilungsleiter und Mitarbeiter, dass man ihnen vertraut, es richtig zu machen und den Dienst guten Willens zu erfüllen.“

Seinen Kollegen und seinem Team wünscht der studierte Philosoph, Theologe und Mediziner viel Freude am Beruf und genügend Freiraum, ihn nach ihrem eigenen Maß zu gestalten: „Ich wünsche euch viel Empathie, welche man vor allem in der Atmosphäre eines Ordenskrankenhauses zu spüren bekommen sollte und dass ihr emotional nicht obdachlos werdet.“ Mit folgendem persönlichen Rat möchte sich Josef Aichinger von seinem Team verabschieden: „Euer privilegierter Platz ist das Patientenbett, die Echoliege, der Herzkatheter-Tisch und der Operationssaal.“

 

Priv.-Doz. Dr. Martin Martinek, MBA, FHRS, FESC übernimmt Anfang des kommenden Jahres die Kardiologie am Standort der Elisabethinen. Der verhei ratete Vater eines Sohnes fand durch seine ehrenamtliche Tätigkeit beim Roten Kreuz den Weg in die Medizin.

Sie arbeiten seit beinahe 20 Jahren am Ordensklinikum Elisabethinen. War immer schon klar, dass das hier eine längere Station sein wird?

Ja, ich wollte schon immer in die Kardiologie und sowohl die Elisabethinen als auch die Barmherzigen Schwestern waren damals bereits in diesem Fachgebiet in Österreich führend. Außerdem haben mich Ordenskrankenhäuser schon während meiner Ausbildung angesprochen, weil sie familiärer sind, flachere Hierarchien haben und ein menschliches Miteinander im Fokus steht.

 

Was haben Sie an Ihrem Vorgänger, Prim. Josef Aichinger, besonders geschätzt und nehmen Sie sich als Vorbild mit?

Prim. Josef Aichinger zeichnete insbesondere seine Menschlichkeit aus. Er war sowohl für seine MitarbeiterInnen als auch für seine PatientInnen jederzeit ansprechbar. Dieses offene Ohr möchte auch ich meinen zukünftigen MitarbeiterInnen bieten. Persönlich konnte ich von Prim. Aichinger viel in der Elektrophysiologie lernen. Ich freue mich, dass Prim. Aichinger sein Steckenpferd Koronarangiographie, welche er federführend in unserem Haus aufgebaut hat, im nächsten Jahr noch als Konsiliararzt weiterbetreiben wird. Damit profitieren wird weiterhin von seiner Kompetenz und Erfahrung.

 

Was wird sich für Sie ab dem 1.1.2022 ändern?

Mein Aufgabenbereich wird sich von invasiven Tätigkeiten wie zum Beispiel Ablationen und Implantationen stärker auf organisatorische Bereiche im Rahmen der Abteilungsleitung sowie auf die Personalführung verlagern. Der tägliche Kontakt mit unseren PatientInnen wird dennoch nicht zu kurz kommen und liegt mir persönlich am Herzen.

 

Was macht für Sie eine gute Führungskraft aus?

Als Führungskraft muss man ein Gespür für die MitarbeiterInnen haben, für alle ansprechbar sein und zuhören. Wichtig finde ich auch, sich laufend selbst zu reflektieren und zu verbessern. Mein Ziel ist es, dass sich jeder im Team wiederfindet und gerne in der Abteilung arbeitet. Darüber hinaus gilt es als Führungskraft die Balance zwischen den wirtschaftlichen Zielen und strategischen Ausrichtung des Hauses sowie den Bedürfnissen von PatientInnen sicherzustellen.

Wenn Platz, als Zitat dazustellen: Als Abteilungsleiter muss man nicht selbst alles am besten können, sondern im Team darauf achten, dass alle notwendigen Kompetenzen vertreten sind.

 

Was sind Ihre Ziele für die Abteilung in den kommenden fünf Jahren?

Ich möchte die Nummer 1 Position unseres Krankenhauses in der Elektrophysiologie ausbauen und bei Schrittmacher-, ICD-Implantationen, der Koronarangiographie sowie bei der Therapie von Herzinsuffizienz und pulmonaler Hypertonie unsere Top-Position unter den österreichischen Krankenhäusern forcieren. Zusätzlich möchte ich wissenschaftliches Arbeiten in unserer Abteilung vorantreiben und vermehrt klinische Studien durchführen, um als Kardiologie auch in der wissenschaftlichen Community sowie in der allgemeinen Öffentlichkeit gesehen zu werden. Dadurch möchte ich Nachwuchstalente für unser Haus und insbesondere für das Fach Kardiologie begeistern.

 

Was werden die größten Herausforderungen in der Kardiologie am Standort Elisabethinen in den nächsten Jahren sein?

Viele KollegInnen werden in den kommenden Jahren in Pension gehen. Die zentrale Herausforderung dabei wird die gezielte Vermittlung ihrer Kompetenz, ihres Wissens und ihrer langjährigen Erfahrung an junge KollegInnen darstellen. Zusätzlich müssen wir es schaffen, durch Kooperation, Innovation und Kompetenz eine starke Position innerhalb der oberösterreichischen Krankenhauslandschaft einzunehmen.

 

Was ist für Sie das Faszinierende an der Kardiologie?

Das Herz an sich ist ein faszinierendes Organ, das unterschiedlichste Probleme haben kann: von Durchblutungsstörungen über Rhythmusstörungen bis hin zur Herzschwäche. In meinem Spezialgebiet Elektrophysiologie sind viele Störungen heilbar – das ist in der Inneren Medizin selten, da hier Krankheiten oft nur chronifiziert werden können. Ich finde es schön, wenn man einem Patienten sagen kann, dass er geheilt ist.

 

Was hätten Sie gemacht, wenn Sie nicht in die Medizin gegangen wären?

Dann würde ich jetzt wahrscheinlich als Rohstoffgeologe in der Wüste nach Öl bohren. Aber mein Einsatz als Sanitäter beim Bundesheer sowie meine ehrenamtliche Tätigkeit beim Roten Kreuz haben sicherlich wesentlich dazu beigetragen, dass ich mich letztlich für Medizin entschieden habe.

 

Welche Wünsche haben Sie für ihre Zeit als Primar?

Eine gute Zusammenarbeit mit allen Mitgliedern meines ärztlichen und pflegerischen Teams, mit den anderen Abteilungen und Berufssparten quer durchs Krankenhaus sowie mit der Geschäftsführung des Hauses. Nur wenn wir gemeinsam an den gesteckten Zielen arbeiten und die Krankenhausleitung unseren Weg mitträgt, werden sich die Visionen und Ideen zur Weiterentwicklung der Abteilung realisieren lassen.