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Ordensklinikum Linz

Fortschritte in der Behandlung von schwarzem Hautkrebs

Die Häufigkeit des Melanoms hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht. In Österreich erkranken pro Jahr ca. 5.200 Patienten an einem Melanom, davon ca. 2.000 an einem sogenannten Melanoma in situ, einer Frühform des Tumors, die zu 100 Prozent heilbar ist. In Oberösterreich erkrankten 2012 773 Patienten an einem Melanom, 208 Patienten an einem Melanoma in situ.

Damit gehört diese Form von Hautkrebs zu den häufigsten Tumoren überhaupt, wobei viele Betroffene im „frühen Erwachsenenalter“ erkranken. Steigerungsraten von zwei bis drei Prozent pro Jahr in Westeuropa zeigen, dass der Erkrankungsgipfel trotz zahlreicher Vorsorge-Kampagnen noch immer nicht erreicht ist.

Es können zum Glück 85-90 Prozent durch ein relativ einfaches chirurgisches Vorgehen geheilt werden, allerdings bleibt immer noch eine beträchtliche Zahl an Patienten übrig, die im weiteren Verlauf der Erkrankung Metastasen entwickeln.

In den vergangenen fünf Jahren wurden dramatische Fortschritte in der Behandlung dieser Patienten erzielt, so dass heute wesentlich mehr Patienten mit den neuen Therapien geholfen werden kann und die Lebenserwartung deutlich verbessert werden konnte. Erstmalig in der Geschichte der Melanomtherapie erscheint auch eine mögliche Heilung denkbar.
 

Durchbruch durch innovative Substanzen

Bis 2012 standen in Österreich nur Chemotherapeutika mit geringer Effizienz zur Verfügung. Die mittlere Lebenserwartung betrug nur 6-9 Monate.

In den letzten Jahren wurden sogenannte Immuntherapeutika zugelassen. Diese Gruppe von Medikamenten stellen Antikörper, sogenannte Checkpointinhibitoren, dar, die in der Lage sind, Deaktivierungsmechanismen von Tumorzellen zu blockieren um so die Immunantwort deutlich zu verbessern.

Die Kinaseinhibitoren sind Teil einer personalisierten Medizin, die individuelle Gegebenheiten des Patienten berücksichtigen. Beim Melanom handelt es dabei um spontan auftretende Mutationen, die zu einer Entkopplung von kontrolliertem Zellwachstum und Kontrollmechanismen innerhalb der Zelle führen. Bei knapp 50 Prozent der Melanompatienten kommt es zum Auftreten einer Mutation des BRAF-Moleküls. Andere Substanzen können dieses Molekül hemmen, das in weiterer Folge zum Zelluntergang führt.

2016 fand auch die onkolytische Therapie Eingang in die Dermatoonkologie – mit einem gentechnisch veränderten, abgeschwächten Herpes-Virus, das sich nur in Melanomzellen vermehrt und zu deren Zerstörung führt. Dabei werden wieder Substanzen freigesetzt, die zu einer weiteren Aktivierung des Immunsystems führen.

 

Raschere und bessere Wirkung

Die nun verfügbaren Optionen ermöglichen eine individuell abgestimmte Behandlung.

Hauptkriterien für die Behandlung sind Ausdehnung der Metastasierung, Vorliegen von Mutationen sowie der Allgemeinzustand des Patienten.

Untersuchung Haut
Die Häufigkeit des Melanoms hat sich in den letzten Jahrzehnten vervielfacht.


Bei Vorliegen einer BRAF-Mutation und raschem Tumorwachstum sind aufgrund ihrer schnell einsetzenden Wirkung und des hohen Wirkungsgrads Kinaseinhibitoren zu bevorzugen, wenngleich bei dieser Therapie die Gefahr einer Resistenzentwicklung gegeben ist.

Bei Fehlen einer Mutation werden Immuntherapeutika verwendet. Die Wirkung setzt oft erst nach 2-3 Monaten ein, dabei besteht bei Ansprechen auf diese Therapie eine gute Chance eine Langzeitremission zu erzielen.

Die onkolytische Therapie stellt vor allem bei Haut- und Lymphknotenmetastasen eine sehr gute Therapieoption dar.

All diese Behandlungsmethoden haben zu einem deutlich höheren Ansprechen mit einem deutlich verlängerten Überleben geführt. Es gibt dabei Stimmen, die erstmalig in der Geschichte der Melanomtherapie von möglicher Heilung sprechen.
 

Therapie in dermatoonkologischen Zentren

Die neuen Therapien sind zwar insgesamt relativ gut verträglich, können aber zum Teil auch wesentliche Nebenwirkungen mit sich bringen. Dazu zählen Entzündungen des Darms, der Lunge, der Hirnanhangsdrüse und vieles mehr. Daraus ergibt sich, dass derartige Therapien nur in Zentren mit entsprechender dermatoonkologischer Erfahrung durchgeführt werden sollten.

 


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Dermatologie